Dienstag, 6. August 2013

Entwicklung einer Kaktusblüte

Mein Kaktus ist in Pension - so wie ich. Er wird nicht wieder in die Schule gehen. Er bleibt jetzt bei mir und ist mein Lehrer, ein Lehrer, der viel Freude macht. Und das möchte er auch gern für Euch, meine Blogleser, sein.
Zu diesem Zweck hat er gerade mindestens sieben neue Blüten angelegt, alle in unterschiedlichem Stadium. An diesen können wir ganz genau studieren, wie sich eine Kaktusblüte entwickelt. Hier hat das auch schon mal jemand in wunderbaren Fotos dokumentiert, allerdings ohne den Werdegang genauer zu beschreiben. Ich mache mir bei der Anschauung gern meine Gedanken und gebe das Beobachtete in meinem Blog weiter.

Es geht los!

Zunächst zeige ich hier die aktuelle Gesamtgestalt meines Kakteenquartetts. Man erkennt neben der inzwischen schon recht lang gewachsenen Knospe viele weitere Knospenansätze.


Schauen wir doch mal genauer hin. Auf den Rippen des Kaktuskörpers sind relativ gleichmäßig auf den Rippen"firsten" verteilt kleine Stachelgrüppchen zu sehen. Von ihnen lassen wir lieber die Finger, denn die Stacheln brechen beim Berühren gern ab, nachdem sie sich in unsere Haut vertieft haben. Obwohl es Kakteen gibt, z. B. die Feigenkakteen, deren Stacheln noch viel unangenehmer sind, weil sie am Ende ganz fiese Häkchen haben, die in der Haut stecken bleiben und nur schwer zu entfernen sind.

Der rote Pfeil zeigt in solch einem Grüppchen die Stelle an, aus der sich eine Blüte entwickeln kann. 



Hier ist es bereits passiert. Ein kleines Püschelchen hat sich aus dem Körper hervorgeschoben, noch umhüllt mit vielen kleinen Härchen, die leicht spiralig angeordnet sind.



Das nächste Wachstumsstadium - kleine Blättchen lugen hervor. Sie sehen aus wie eine verkümmerte Form von Kelchblättern, doch sollen sie noch größer, vor allem länger werden.



Währenddessen wächst der Blütenstängel, der aber noch von vielen Härchen bedeckt ist. Sollen sie das zarte Gebilde vor irgend etwas schützen? Vielleicht vor der nächtlichen Wüstenkälte, die die Knospe erfrieren lassen könnte?



Je weiter der Stängel wächst, desto dünner wird sein Haarkleid. Auch am Ansatz des Stängels sitzen kleine spitze Blättchen.



Die Härchen werden bei fortschreitendem Wachstum immer dünner. Hier können wir erkennen, dass sie sich hauptsächlich um die Ansatzstellen der kleinen Blättchen herum angeordnet haben. Der Stängel wirkt nun kräftig. Er ist saftig grün und fest.



Die Kelchblätter sind inzwischen sehr lang und schmal geworden. Sie tragen ein dunkles Rosa, das sich auch später ganz zart in den Spitzen der Blütenblätter andeutet.



Wenn wir die Knospe von oben betrachten, erkennen wir eine spiralige Anordnung der Kelchblätter. Ein Grundmuster der Natur!



Mein Herz füllt sich mit Freude - jedes Mal, wenn ich solch ein göttliches Wunderwerk betrachte. Keines Menschen Hand hat daran gewerkelt. Die göttlichen Muster offenbaren sich uns, wenn wir nur die Augen öffnen und geduldig zuschauen. Was für ein Geschenk!

Und was mich noch ganz besonders erfreut, ist die Art, wie der Kaktus mit mir kommuniziert.
So lange er in der Schule stand, hat er nur ein einziges Mal geblüht und das war einmal in den Sommerferien. Ich war zur Konferenz einige Tage vor Schulbeginn in die Schule gekommen, hatte nur einmal kurz in meinen Klassenraum schauen wollen um etwas vorzubereiten und entdeckte dort die voll geöffnete Blüte. Es war für mich so, als wolle er mir zeigen, dass er genau wusste, wann ich kommen würde. Ich erinnere mich noch genau an meine Gedanken, die ich beim Verlassen der Klasse vor den Ferien gehabt hatte: "Du hast wohl keine Lust zu blühen. Na ja, dann muss ich Dich auch nicht gießen während der Ferien."
Und dann zeigte er es mir aber. Ja, ich bin sicher, er tat es, denn an dem Tag, als der Unterricht nach den Ferien begann, war seine Blüte bereits abgefallen. Er hat genau an dem einzigen Ferientag geblüht, an dem ich in der Schule war. Für die Kinder war es zu spät gewesen.
Das zweite Mal, dass er mich von seiner Kommunikationsfähigkeit überzeugte, war das zweite Blüherlebnis. Ich war ein letztes Mal in der Schule, holte meine persönlichen Dinge ab, um in den Ruhestand zu gehen. Dort stand er, der Vierfachkaktus - ganz hinten in der Ecke der hintersten Fensterbank. Ob ihn seit meiner Erkrankung vor einem halben Jahr überhaupt jemand beachtet hatte? Wahrscheinlich hat ihn niemand gegossen. Ich hätte ihn stehen gelassen, wenn ich nicht genauer hingesehen und zwei lange Blütenstängel entdeckt hätte. Sie streckten sich mir entgegen, als wollten sie mir sagen: "Aber du willst uns doch jetzt nicht etwa hier lassen!?!" Ich konnte natürlich diesem Reisewunsch nicht widerstehen. Im Gegenteil, ich packte ihn vorsichtig in eine der mitgebrachten Umzugskartons und stellte ihn zuhause gleich an ein sonniges Plätzchen auf der Terrasse. Es dauerte nur drei Tage, bis sich beide Blüten gleichzeitig für einen Tag öffneten.
Und nun - nur einen knappen Monat später - scheint er mir zeigen zu wollen, dass es sich für mich gelohnt hat, ihn, den stacheligen Gesellen, einzupacken und mit mir nach Hause zu nehmen.
Ich werde weiter darüber dokumentieren.

Hier nochmal die anderen Kaktusseiten zum Nachlesen des bisherigen Geschehens.

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