Sonntag, 4. August 2013

Magie der Purpurwinde

Nur einen Tag blühen die Blüten dieser wunderschönen Winde. Ungern sehen wir sie als Ackerwinde, wenn sie in den Sträuchern und Stauden unseres Gartens emporklettert und die Pflanzen zu erwürgen scheint mit ihren sich um alles ringelnden Ranken. Auch die Wurzeln der Artverwandten sind kaum auszurotten. Und doch hat sie vor dem Schöpfer den gleichen Wert wie dieses Exemplar, um das ich mich dieses Jahr überhaupt nicht zu kümmern brauchte. 
Letztes Jahr hatte ich in jedem meiner Terrassentröge je ein Exemplar gepflanzt, das sich durch seine Samen ordentlich vermehrt hat und dieses Jahr von ganz allein wieder erschien.

Nicht nur die Ranken winden sich spiralig, die Spirale ist Programm dieser Pflanze, was sich auch im Blütenbau zeigt. Auf dem oberen Foto ist die Knospe noch geschlossen, sollte sich dann aber im Laufe des Vormittags öffnen zu einem geheimnisvollen Kelch, aus dessen Mitte das Licht geradezu zu leuchten scheint. Ipomoea tricolor Scarlet O' Hara ist ihr Name und ebenso geheimnisvoll und hübsch erscheint sie in meinem Garten.


Die Blüte birgt in ihrem Inneren ein feinstreifiges Muster, bei dem der Schöpfer sich etwas gedacht haben muss. Eine kleine Insektenautobahn vielleicht? Das Licht muss auf die Tiere wie ein Magnet wirken, denn gern tummeln sich kleine Schwebfliegen darinnen. Die kleinen weißen Pünktchen zeugen von vergangenem Insektenbesuch, bei dem das Tierchen bereits etwas Blütenstaub verschleppt hat.
Tief im Kelch sieht man in blassem Grün den Fruchtknoten, darüber den Stempel. Die Staubblätter scheinen sich über der Stempelnarbe zusammenzuschließen. Leider ist dies trotz Makroaufnahme nicht genau zu erkennen, doch werde ich in den nächsten Tagen noch genaue Untersuchungen dazu anstellen.




Blütenpoesie:


An die Purpurwinde

Geheimnisvoll wie die Sonne im All

Geheimnisvoll leuchtest Du mir entgegen.
Tief in Deiner Mitte,
aus der Dein Strahlen unerklärbar strömt,
hast Du Dich wie eine Lampe entzündet,
um mich in Staunen zu versetzen.
Dem Zentralgestirn Sonne inmitten ihrer Sterne tust Du es gleich,
ohne ihr Licht hinter Dir zu haben.
Nein, vor Dir steht sie
und doch hältst Du ihr Dein eigenes Licht entgegen.
Kleines Wunder Du,
das eigensinnig beweist,
dass es der großen Quelle Energie
aus sich selbst heraus zu schenken vermag.
Gleichnis magst Du daher sein
für mich als Mensch,
der auch ich nichts anderes verströmen kann
als die eine universelle Liebe.

UN 4.8.13



Noch am selben Tag zieht sich die Blüte nach innen und entwickelt ihre Früchte im Verborgenen. Auch dieses Jahr werde ich das Versamen zulassen, spart es doch auch Neubepflanzungen im nächsten Jahr.

"Ich mag nimmer," scheint sie zu sagen. Schmollend verschließt sie ihren Mund, der nun auch von außen, entgegen der Farbe des Knospenäußeren, ganz purpurfarben geworden ist.


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