Alle
Kinder wissen es – der Nikolaus kommt im Dezember und bringt ihnen die Geschenke,
die sie auf einem Wunschzettel vorher aufgeschrieben haben. Zumindest hoffen
sie das.
Eine
lange Reise hat der Nikolaus jedes Jahr vor sich, wenn er es schaffen will,
alle Kinder zu bedenken.
Von
Jahr zu Jahr wurden es mehr, seitdem Nikolaus, der als Bischof von Myra knapp 400 Jahre nach Christi Geburt die Erde verließ, in den Himmel schwebte, um von
dort aus weiterhin seine spendablen Werke zu tun.
In der ersten Zeit reiste er mit einem dicken weißen Mantel, denn er musste
die kalten Winter des Nordens ertragen, während er vom Himmel aus über die Häuser
schwebte und die Geschenke in die Schornsteine der Kamine fallen ließ. Selten
hat ihn ein Kind gesehen, denn in den schneereichen, kalten Wintern des Nordens
war er mit seinem Mantel gut getarnt. Dies war sehr wichtig für ihn, denn er
ist ja ein himmlischer Heiliger und sein Zauber besteht ja gerade in seiner
Unsichtbarkeit.
Vom kalten Russland über Skandinavien, ja über ganz
Nordeuropa und besonders über die Niederlande, wo man ihn seit dem ersten Erscheinen Sinterklaas nennt, suchte er sich seinen Weg weiter nach Amerika, wo
man die Legende erzählt, es habe dort einen Getränkebetrieb gegeben, der zu Werbezwecken
den Gabenbringer in einem leuchtend-roten Anzug darstellte.
Dies allerdings ist ein weit
verbreitetes Gerücht.
Wie es wirklich zu dem roten Anzug kam, will ich euch
heute erzählen.
Als Nikolaus seine Wege im Laufe der
Jahrzehnte und Jahrhunderte immer mehr nach Westen ausweitete und seine Himmelsreise sogar bis
nach Amerika ausdehnte, musste er schon sehr früh mit dem Verteilen der
Geschenke beginnen. Niemals hätte er seine Aufgabe in der kurzen Zeit eines
Dezembermonats geschafft. So kreuzte er auf seinem himmlischen Kalender bereits
die letzten Novembertage als Reisetage an.
Allerdings hatte das eine
unvorhersehbare Folge. Im November lag die amerikanische Landschaft noch nicht
unter Eis und Schnee. Der Klimawandel hatte mit der Zeit den Wintereinbruch verzögert und die Gefahr, von den Menschen gesehen zu werden, wuchs für Nikolaus immens. Der weiße Hintergrund, vor dem sich sein Mantel hätte tarnen können,
war schlichtweg nicht vorhanden.
Als der in Amerika Santa Claus
genannte Nikolaus eines Morgens gerade die letzte Kurve Richtung Himmel nahm,
weil die Sonne schon über den Horizont blitzte, sah er in einem Garten den in
Amerika beheimateten Amberbaum stehen. Es handelte sich um ein besonders
schönes Exemplar. Seine Blätter hatten sich zum Herbst hin leuchtend rot
gefärbt und Väterchen Frost hatte eine weiße Puschelbordüre an die Blattränder
gezaubert.
Santa Claus war verzückt. So etwas Schönes hatte er noch nie gesehen!
Als er weiter seine Runden zog,
entdeckte er ganze Haine mit Amberbäumen, Haine, die schon ihr leuchtendes Rot
entwickelt hatten. Santa Claus kam ganz plötzlich die Idee, die Wichtel in seiner Himmelswerkstatt zu bitten, ihm einen so roten Mantel zu nähen, einen mit einem weißen Puschelrand – das müsste ihn doch wieder unsichtbar machen, wenn er zu
so früher Zeit über das Land ritte.
So kam es, dass er sich in der
himmlischen Werkstatt einen Anzug schneidern ließ – dieses Mal aus rotem Stoff
mit einem weißen Pelzrand.
So kennt Ihr ihn alle - den Nikolaus:
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genehmigt durch Angela Keinert |
Dieser Anzug trug nun die Farbe der Liebe und Santa Claus wunderte
sich, dass er überhaupt so lange Zeit mit einem weißen Mantel über die Welt
geritten war. Er behielt seitdem die Farbe bei und scheut sich inzwischen auch
nicht mehr, überall dort, wo Menschen leben, mitten in Menschenmengen zu
erscheinen und Geschenke zu verteilen. In vielen Häusern stellt er sich zur
Weihnachtszeit sogar persönlich vor und erzählt, wie er von seinem Pferd zu
einer Rentierherde umgestiegen ist. Zu lang sind seine himmlischen Reisen
inzwischen geworden und zu viele Geschenke muss er transportieren. So hat er in
Skandinavien einige Rentiere angeheuert, die dem eisigen Winter in luftigen
Höhen viel besser standhalten als ein Pferd.
© UNik 2016-11-24