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Freitag, 20. März 2020

Einen Hörfächer ausbilden - für Glücksgefühle im Wald


Ein Virus breitet sich weiter aus. Oder ist es die Panik, die zur weiteren Ausbreitung führt? Weil wir durch unser Verhalten unser Immunsystem immer mehr schwächen? Es wird so viel darüber diskutiert, dass ich dem nichts hinzufügen möchte, sondern meinen Fokus auf etwas anderes richten will. Auf die Natur.

Auf das, was uns gerade jetzt im Frühjahr darin begegnet. Es wird schön werden, das verspreche ich.

Jeder kann bewusst selbst wählen, jetzt in den Wald oder in den Garten zu gehen oder seinen Balkon zu begrünen. Selbst eine Blumenfensterbank im Zimmer ist noch etwas Liebenswertes und kann uns glücklich machen, wenn wir die Pflanzen beim Wachsen beobachten und uns an ihrem Gedeihen erfreuen.

Oder man kann sich weiter mit immer wieder neuen und oft dazu noch nicht einmal gesicherten Meldungen aus den Medien füttern. Wem hilft das? Es genügt eine Nachrichtensendung am Tag. Mehr braucht es nicht.


Mehr denn je ist das Leben im HIER und JETZT gefragt. Die nahen Dinge sind heilsam. Im Garten, im Wald. Spaziergänge sind möglich. Die Abstände groß. Warum also nicht hinausgehen und … die Sinne fordern?

Wie ich schon im letzten Blogpost schrieb, bin ich selbst jetzt wieder öfter draußen, wenn möglich jeden Tag. Dabei suche ich verschiedene Wälder der Umgebung auf. Nie weit entfernt von unserem Zuhause, aber doch entfernt voneinander.


Und dabei entdeckte ich etwas Erstaunliches:

Die Beschäftigung mit unseren gefiederten Freunden im letzten Jahr beschert mir in diesem Jahr eine beglückende Ernte. Solche Glücksgefühle sind es, die unsere Gesundheit stabilisieren. Das wurde mir bei unserem letzten Waldspaziergang sehr deutlich bewusst.

Wir stellten das Auto auf einem Parkplatz am Waldrand ab, um dort eine kleine Wanderung zu unternehmen. 

Im Moment des Aussteigens schaltete mein Gehör sofort von Innenraumwahrnehmung auf Waldhören um. Dabei geschah mit meinen Ohren etwas Eigenartiges. Die folgende Skizze  soll illustrieren, was passierte, als ich aus dem geschlossenen Auto in den Wald eintrat:

Skizze aus meinem Naturtagebuch

Früher wäre ich ausgestiegen und hätte gesagt: „Wie schön! Die Vögel singen!“ Ich hätte einen diffusen Klangteppich wahrgenommen, dem ich den Namen „Vogelkonzert“ gegeben hätte.

Im Verhältnis zu heute war es eine eher dumpfe, einheitliche Wahrnehmung, die mir zwar ein angenehmes Gefühl gab, aber das war’s dann auch schon.


Doch wie anders erlebe ich das heute! 

Mein Gehör streckt sich im Moment des Aussteigens aus wie ein Fächer. Von einem fiktiven Punkt in der Mitte meines Kopfes aus richtet sich meine hörende Aufmerksamkeit aktiv in alle Richtungen, quasi strahlenförmig. Jeder gedachte Hörstrahl begibt sich aktiv auf die Suche. 

Ich will das genauer beschreiben. 

Das Suchziel, meine innere Willensbestimmung, ist das Aufspüren einzelner Vögel. Dazu habe ich in den letzten beiden Jahren viel Vorarbeit geleistet. Ich habe mit Bestimmungsbüchern und Hördateien viele verschiedene Vogelstimmen studiert und sie mir fast täglich akustisch einverleibt. Ich habe das Gelernte bei jeder Gelegenheit draußen getestet - sozusagen meine Miniprüfungen absolviert. 

So komme ich also heute aus dem geschlossenen Raum, fahre den Hörfächer aus und in meinem Gehirn reagieren die in den letzten beiden Jahren gebildeten Synapsen. 

Pure Lernpsychologie!

Hören, vergleichen, wiederholt hören, vergleichen, innere Bilder zu Melodien erfinden, die inneren Hördateien erweitern, anwenden, neue hinzufügen ...

Dieses ständige Wiederholen hat die Synapsen verstärkt.

Dazu kamen dann natürlich Abbildungen der Vögel, Begegnungen mit ihnen im Garten, in den ich sie durch ganzjähriges Füttern eingeladen hatte.

Und nun ist es so weit. Der Winter ist vergangen, die aktive Zeit in der Natur beginnt wieder. Erntezeit ... wie ich schon schrieb.

Beim Erstellen des akustischen Waldbildes (beschränkt auf die Stimmen der Vögel und ihre ab und zu auch wahrnehmbaren Gestalten) unterscheide ich:

Die Lage des Tones im Raum (höher, tiefer, näher, weiter), die Richtung, aus der er kommt, die Lautstärke, Bewegungen, Entfernungen zwischen gleichen/ähnlichen Melodien, Toncharaktere wie scharf, weich, ätzend, rau, ziehend, bewegt, ruhig, hoch, tief u.v.m.).

Ich höre einzelne Gesänge, die sich aus individuellen Tonfolgen zusammensetzen. Ich orte sie, vergleiche sie, ordne sie zu, verfolge sie, wenn sie ihren Platz wechseln. 

Dabei entsteht in meinem Inneren ein akustisches Bild des Vogelbiotops, in das ich eingetreten bin. Dabei stelle ich auch meine Defizite im Erkennen fest, versuche, mir noch nicht sicher angeeignete Melodien zu merken, die ich fürs Erste mit meinem Diktiergerät aufnehmen kann, um sie zuhause mit meinen Vogelstimmendateien abzugleichen und mein Repertoire zu erweitern.

Zu diesem Zweck kann ich wärmstens das Buch Magie der Vogelstimmen von Walter Streffer empfehlen, das sehr interessante Fakten zum Studium der Vogelstimmen vermittelt und zusätzlich eine CD mit mehr als 80 Hörbeispielen enthält. 

Praktisch kann dieses akustische Erfassen etwa so ablaufen:

Ich höre links über mir eine Singdrossel, etwa 50 - 100 m entfernt einen Zaunkönig, dessen Entfernung schwer einzuschätzen ist, weil Zaunkönige im Verhältnis zu ihrer Größe unglaublich laut singen. Rechts hinter mir in Buschhöhe tschilpt ein Sperling. Ganz hoch oben rechts lässt ein Buchfink seine kaskadenartige Melodie verlauten, mit dem kurzen Schlenker am Ende. Auf etwa gleicher Höhe müsssen zwei Kohlmeisen miteinander kommunizieren oder ihre Reviere abgrenzen. Ich höre sie in stetigem Wechsel. 

Ich "sehe" quasi mit den Ohren. Dabei benenne ich erst mal die Instrumente des Orchesters mit Namen.
Zugleich höre ich, was die einzelnen Instrumente ( = Vögel) spielen ( = singen). Aus all dem setzt sich das Orchesterstück ( = Vogelkonzert) zusammen.

Dabei entsteht ziemlich rasch ein Gesamthöreindruck, mit dem ich Vogelkonzerte in verschiedenen Waldstücken unterscheiden kann. Hätte man mich beim letzten Spaziergang mit verbundenen Augen in den Wald gebracht, ich hätte gehört, dass ich nicht im selben Wald war wie am Vortag.

Natürlich wirken sich auch unterschiedliche Tages- und Jahreszeiten auf den Gesamtcharakter eines Vogelkonzerts aus.

Viel Spaß nun bei Deinen eigenen Bestrebungen, einen solchen Hörfächer auszubilden!
Voraussetzung ist natürlich, dass Du beginnst und dann am Ball bleibst.
Glücksgefühle sind garantiert!

Samstag, 20. Juni 2015

ICH BIN ... ein Gänseblümchen

Derzeit verschlinge ich das Buch "Der Ruf der Rose" von Dagny und Imre Kerner. Dieses Buch steht schon lange Zeit in meinem Bücherregal und es gehört nicht zu denen, die ich nur einmal lese und dann getrost weitergeben kann, weil ich genau weiß, dass es mit einmaligem Lesen gut war.
Inzwischen lese ich das Buch wohl schon zum dritten Mal ... mit dem gleichen Maß an Begeisterung wie beim ersten und zweiten Mal.

Das Autorenpaar Dagny und Imre Kerner hat weltweit recherchiert, wie Menschen mit Pflanzen kommunizieren, wie sie innerlich mit ihnen Kontakt aufnehmen, wie sie mit Liebe im Herzen Einfluss auf ihr Wachstum ausüben, wie sie von den Pflanzen selbst tiefere Zusammenhänge des pflanzlichen Lebens erfahren usw..
Es geht auch um die Kommunikation der Pflanzen untereinander. Wie warnen sie sich gegenseitig vor Fressfeinden, wie beeinflussen sie gegenseitig ihr Wachstum?

Für mich ist dieses Buch spannender als jeder noch so spannende Krimi (obwohl ich die auch mal gerne lese). Es regt an zum Mitfühlen, zum tieferen Einstieg in das Gartenleben, zum eigenen Kommunizieren mit den Pflanzen, die uns begegnen.

Egal, ob es unsere Zimmerpflanzen sind, Gartenpflanzen, die wir uns zugelegt haben oder aber Pflanzen in der hausfernen Natur, die uns alle etwas "sagen" können.

Mir ist sehr wohl bewusst, dass viele Menschen jetzt denken: "So ein Quatsch! Alles Einbildung!"
Bitte einfach wegklicken!

Alle, die in sich ein Interesse wachwerden spüren, gerne hierbleiben und weiterlesen!
Jeder entscheidet für sich selbst, womit er sich aus tiefem Herzen befassen möchte.

Wie? Immer noch da?

Okay, dann probiere doch mal etwas aus.
Du hast schon mal meditiert? Bist ganz still geworden? Ganz leer? Hast Dich dann auf etwas Besonderes eingelassen? Dich mit einem Gefühl füllen lassen, das durch Identifikation mit etwas Lebendigem ins Wachsen kommt?
Du bist neugierig geworden?
Gut, dann mach doch einfach mit ...

Für Deine innere Vorstellung kann es hilfreich sein, wenn Du einmal in den Garten gehst und Dir eines oder mehrere Gänseblümchen anschaust. Du hast keinen Garten? Na gut, ein Foto tut es auch. Ich habe hier eines ... neulich in einem Kurpark aufgenommen:



Du machst Dir nun erst ein äußeres Bild von der Blume, bevor es (ins Innere) losgeht. Ja, es wird ins Innere gehen, in das der Blume UND in Deines. Kommunikation ist ein Einschwingen auf ein gemeinsames Feld - und genau das werden wir jetzt tun.

Bereit? Gut, dann lies den folgenden Text und gehe in Deiner Vorstellung mit:

Gänseblümchenmeditation

Schließe die Augen.
(Nach dem evtl. mehrmaligen Durchlesen des Textes wirst Du ihn mit geschlossenen Augen inhaltlich erinnern).
Stelle Dir ein Gänseblümchen vor.
Werde so klein, dass Du in den riesigen grünen Stängel vom Boden aus eintreten und wie in einem Treppenhaus nach oben gehen kannst.
Klettere hinaus auf das goldene Mittelstück.
Rieche den Nektar des goldenen Teppichs, auf dem Du jetzt stehst.
Schmecke ihn.
Lasse ihn auf der Zunge zergehen.
Rieche selbst nach Nektar.
Springe nun von einem Blütenblatt aufs andere.
Du musst richtig weit springen, wenn Du am Rand des Blütenkreises springst.
Springe immer schneller.
Federe mit den Füßen.
Tanze von Blatt zu Blatt.
So lange, wie es Dir Freude macht.
Genug?
Dann klettere durch den Stängel wieder nach unten.
Lasse das Erlebte noch eine Weile in Dir nachwirken.
Öffne langsam die Augen und kehre in die Tagesrealität zurück.

Du bist um eine Erfahrung reicher geworden, nämlich wie ein Gänseblümchen

  • ist
  • schmeckt
  • riecht
  • sich innen und außen anfühlt.

Frei zitiert nach (kann den Kauf nur empfehlen!):
"Der Ruf der Rose"
Was Pflanzen fühlen und wie sie mit uns kommunizieren
Dagny und Imre Kerner
KiWi, 9. Auflage 2003
S. 198 f


Nun bitte ich Dich, Dir möglichst ein reales Gänseblümchen zu suchen und es erneut zu betrachten.

Was ist anders geworden???