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Sonntag, 13. November 2016

Kreislauf des Seins



Müde legt ihr euch zur Ruh,
kristallene Kälte deckt euch zu.
Mit leisezartem glasigem Ton 
fielt ihr herab vom Sommerthron.
Nun greift der Winter euer Leben,
wird euch zu neuen Stoffen weben,
aus denen dann im jungen Mai
dem Baum ein frisches Kleid gedeih.
So seid ihr Teil der Ewigkeit,
wandelndes Leben für alle Zeit. 

(C) UNik 11/2016



Dieses Gedicht schrieb ich, nachdem der erste Frost des Herbstes 2016 in unseren Garten eingezogen war. Beim Aufsteigen der Sonne ging ich durch den überzuckerten Garten und entdeckte viele kleine Frostkunstwerke der Natur. In weiteren Posts werden noch mehr folgen.

Donnerstag, 10. November 2016

Abschied nehmen

Sommer 2016 ...

noch ein letztes Mal winkst du uns zu,
fröhlich flattert dein im Sterben gespeichertes Sonnengelb 
vor neblig verhülltem Himmelblau.

Es lässt sich rütteln vom Wind des Herbstes,
bis es kraftlos nachgibt
und auf den Wehen der Veränderung
ergeben zu Boden taumelt.

Kirschbaum

Sommer 2016 ...

im feurig leuchtenden Rot erstirbt deine Kraft,
entringt uns noch ein letztes Aufseufzen,
das doch eher von Traurigkeit als von Freude singt.

Im Aufflackern deines blutroten Leuchtens 
wird all unser sommerliches Erleben 
in den weißen Winter hinein verebben,
bis du im nächsten Frühjahr in verletzlich winzigen Keimen
uns das Versprechen eines neuen Sommers schenkst.

Amerikanischer Amberbaum

Sonntag, 12. Juli 2015

Der Walnussbaum - ein Gedicht

Weil es mir so sehr gefällt - ein Gedicht von Mathilde von Bayern:

Der Walnußbaum

Ich war ein Kind. Und mein Gespiele,
der jede Freude, jeden Traum
und jeden Kummer mit mir teilte —
das war ein alter Walnußbaum.

Fiel mir ein Zittern in die Seele,
ein Bangen vor der Einsamkeit,
so lief ich flink zu meinem Freunde
und klagte ihm mein kleines Leid;

Und schlang um seinen Stamm die Arme
und duckte scheu mich wie ein Dieb,
sah zu ihm auf in heißen Tränen
und fragte leis: "Hast du mich lieb?"

Und wenn er schwieg, so sann ich lächelnd:
„Es gibt doch auch ein stummes Ja?"
Und meine Seele war getröstet,
und Freude war mir wieder nah.

Mathilde von Bayern


Quelle: http://gedichte.xbib.de/ 
(Gesamtverzeichnis deutschsprachiger Gedichte)

Freitag, 3. Januar 2014

Symbol der Hoffnung - die Christrose


Allen Bloglesern und -leserinnen wünsche ich ein gesundes, 
glückliches und erfolgreiches Jahr 2014!

In unserem Garten haben sich die ersten Christrosenblüten geöffnet, ein verheißungsvoller Gruß aus der himmlischen Welt. Feine Regentröpfchen haben sich wie Tränen auf der Außenseite der Blütenblätter versammelt. Das Weiß der Blume erstrahlt in Unschuld, winzige grüne Trichter bilden vor weichem Grün um die Staubgefäße herum einen kreisförmigen Reigen wie kleine Füllhörner des Glücks. In der Mitte strahlt aus dem sanften Gelb ein kleines Sextett von Stempelchen wie eine Krone hervor. Ja, als Königin des Winters dürfen wir sie wohl gern betrachten, diese in der kältesten Jahreszeit wacker sich aufrichtende Schönheit!

Möge sie auch Eure Seele berühren wie sie meine berührt hat!

Sonntag, 4. August 2013

Magie der Purpurwinde

Nur einen Tag blühen die Blüten dieser wunderschönen Winde. Ungern sehen wir sie als Ackerwinde, wenn sie in den Sträuchern und Stauden unseres Gartens emporklettert und die Pflanzen zu erwürgen scheint mit ihren sich um alles ringelnden Ranken. Auch die Wurzeln der Artverwandten sind kaum auszurotten. Und doch hat sie vor dem Schöpfer den gleichen Wert wie dieses Exemplar, um das ich mich dieses Jahr überhaupt nicht zu kümmern brauchte. 
Letztes Jahr hatte ich in jedem meiner Terrassentröge je ein Exemplar gepflanzt, das sich durch seine Samen ordentlich vermehrt hat und dieses Jahr von ganz allein wieder erschien.

Nicht nur die Ranken winden sich spiralig, die Spirale ist Programm dieser Pflanze, was sich auch im Blütenbau zeigt. Auf dem oberen Foto ist die Knospe noch geschlossen, sollte sich dann aber im Laufe des Vormittags öffnen zu einem geheimnisvollen Kelch, aus dessen Mitte das Licht geradezu zu leuchten scheint. Ipomoea tricolor Scarlet O' Hara ist ihr Name und ebenso geheimnisvoll und hübsch erscheint sie in meinem Garten.


Die Blüte birgt in ihrem Inneren ein feinstreifiges Muster, bei dem der Schöpfer sich etwas gedacht haben muss. Eine kleine Insektenautobahn vielleicht? Das Licht muss auf die Tiere wie ein Magnet wirken, denn gern tummeln sich kleine Schwebfliegen darinnen. Die kleinen weißen Pünktchen zeugen von vergangenem Insektenbesuch, bei dem das Tierchen bereits etwas Blütenstaub verschleppt hat.
Tief im Kelch sieht man in blassem Grün den Fruchtknoten, darüber den Stempel. Die Staubblätter scheinen sich über der Stempelnarbe zusammenzuschließen. Leider ist dies trotz Makroaufnahme nicht genau zu erkennen, doch werde ich in den nächsten Tagen noch genaue Untersuchungen dazu anstellen.




Blütenpoesie:


An die Purpurwinde

Geheimnisvoll wie die Sonne im All

Geheimnisvoll leuchtest Du mir entgegen.
Tief in Deiner Mitte,
aus der Dein Strahlen unerklärbar strömt,
hast Du Dich wie eine Lampe entzündet,
um mich in Staunen zu versetzen.
Dem Zentralgestirn Sonne inmitten ihrer Sterne tust Du es gleich,
ohne ihr Licht hinter Dir zu haben.
Nein, vor Dir steht sie
und doch hältst Du ihr Dein eigenes Licht entgegen.
Kleines Wunder Du,
das eigensinnig beweist,
dass es der großen Quelle Energie
aus sich selbst heraus zu schenken vermag.
Gleichnis magst Du daher sein
für mich als Mensch,
der auch ich nichts anderes verströmen kann
als die eine universelle Liebe.

UN 4.8.13



Noch am selben Tag zieht sich die Blüte nach innen und entwickelt ihre Früchte im Verborgenen. Auch dieses Jahr werde ich das Versamen zulassen, spart es doch auch Neubepflanzungen im nächsten Jahr.

"Ich mag nimmer," scheint sie zu sagen. Schmollend verschließt sie ihren Mund, der nun auch von außen, entgegen der Farbe des Knospenäußeren, ganz purpurfarben geworden ist.