Samstag, 6. Juni 2015

Der Beweis - Engel können entschweben und erneut erscheinen ;-)

Am Hochfest des Leibes und Blutes Christi, am Fronleichnamstag, geschah etwas für mich bis jetzt noch immer Unerklärliches. Und davon will ich heute erzählen.
Die Überschrift fasst es zusammen mit einem Augenzwinkern, doch lies selbst:

Vorweg ... ich bin geistig klar, kann mich (im Wesentlichen jedenfalls) auf meine Wahrnehmung verlassen. Allerdings ... so etwas wie das, was in den letzten Tagen geschah, habe ich noch nie erlebt. 

Es ist für uns alle eine häufig gemachte Erfahrung, dass wir Menschen eigentlich gleich Erlebtes hinterher oft völlig verschieden darstellen, doch die ganz alltäglich erlebten Dinge formulieren wir verbal in einem Rahmen, dem ein gemeinsamer Konsens zugrunde liegt, denn nur dann können wir uns sinnvoll darüber austauschen. Aber halt auch das kennt jeder ... die Diskrepanz zwischen Aussagen, wenn z. B. Zeugen zu einem Unfallhergang befragt werden. Auch das ist völlig normal.

Aber das, was ich jetzt erzähle, fällt doch weit aus diesem Rahmen heraus und ich wüsste nur zu gern, wie es passieren kann, dass sich Wahrnehmung dermaßen verändert, dass man glaubt, sich selbst nicht mehr zu kennen.

Ich berichte chronologisch, fange dabei recht früh an:

Vor einigen Jahren saß in unserem Garten auf einer kleinen Blumeninsel mitten im Rasen ein putziger Elf aus Keramik, der mir auf der "Landpartie", einer Gartenausstellung, "gefolgt" war.
Auf der Fahrt nach Hause entdeckte ich, dass dem kleinen Wesen die obere Ecke eines Ohres fehlte. Daher nannte ich ihn SANSORIUS (von frz. "sans oeur" = ohne [ein] Ohr) und die Blumeninsel hieß für uns fortan SANSIBAR. Dort saß nun der kleine Wicht mit schelmischem, manchmal auch etwas nachdenklichem Blick und bereitete uns Freude.




Der Ausdruck seiner Augen liegt im Auge des Betrachters. Er lässt unserer Fantasie freie Wahl, was seine Augen gerade ausdrücken. Sie spiegeln quasi unseren eigenen Seelenzustand.

Einige Jahre lang bereitete er uns dort Freude, bis eines Tages - ich hatte vergessen, SANSORIUS im Winter nach drinnen zu holen, um ihn vor Frost zu schützen - der kleine Elf zu Staub zerfiel. Schade!

Nun kam wieder ein Sommer. Der Spindelstrauch (Euonymus) stand ohne seinen "Freund" auf dem Inselchen, das inzwischen schon zu einer Insel angewachsen war.

Inzwischen war mein Vater gestorben und da sein Urnengrab in weiterer Entfernung von meiner Mutter gepflegt wird, bepflanze ich das Inselchen seitdem immer zu Ehren meines Vaters, der Blumen auch sehr liebte.

Als ich unserer Nachbarin, einer lustigen Dame von Mitte 80, von dem kleinen Unglück mit SANSORIUS erzählte, rief sie freudig aus: "Ich habe da was für Euch! Wartet mal, ich komme gleich wieder ..." So schnell, wie sie weg war, kam sie zurück, hatte einen kleinen Engel bei sich, der in jeder Hand ein Körbchen trug.



Dieser Engel steht nun an SANSORIUS' Stelle auf dem flachen Stein und dient dem Inselchen als Beschützer. Der Inselname wechselte seit dem Hinübergang meines Vaters zu ARVØY. Das ist Norwegisch und heißt Erbinsel, denn dort lebe ich mein Erbe, die Liebe zur Natur, aus.

So steht nun das Engelchen jeden Sommer an dem Spindelstrauch. Im Winter, wenn die florale Natur sich in den Boden zurückzieht, wandert der Engel ins Haus, da er möglicherweise auch keinen Frost verträgt. So auch im letzten Herbst.

Nun habe ich am Tag vor Fronleichnam die Insel wieder schön gemacht. Kätzchen Siggi ist eingezogen und hat es sich auf zwei Fliesen bequem gemacht, die sich in der Sonne aufwärmen. Der Engel war noch nicht zurückgekehrt. Das Frühjahr ist weit fortgeschritten. Es wurde Zeit ...

Der Euonymus war inzwischen in eine Form gewachsen, die eine Laube andeutete. Ich schnitt noch ein wenig nach, so dass er die Form einer Konzertmuschel erhielt. Dort hinein legte ich vorsichtig den flachen Stein als Standfläche. Als ich alles fertig hatte - die Kante gesäubert, die Randsteinchen neu gelegt, den Inselumfang bei all dem um ein paar Zentimeter vergrößert - wollte ich den Engel hervorholen, um ihn in die neu geschnittene Laube zu stellen.

Ich sah ihn vor meinem inneren Auge. Seit ich ihn im Herbst weggestellt hatte, hat er mich viele Male etwa aus gleicher Höhe oder von etwas höherer Stelle "angeschaut". Ich war sicher, dass er in dem Wandregal in der Garage steht, wo ich auch zuerst hinging, um ihn zu holen.

Pustekuchen! Kein Engel zu sehen!

Okay ... vielleicht im angrenzenden Holzschuppen? Ich ging durch die Tür, schaute nach ... nichts! Auch hier befindet sich ein Regal, eines mit zwei Fächern. Im oberen schaute ich nach, dann aber auch im unteren. Nein ... wirklich nichts!

Nun kam mir die Sache doch schon recht merkwürdig vor. "Hey, warum versteckst du dich?", fragte ich leicht genervt.

Noch einmal schaute ich in der Garage nach, dieses Mal in beiden Regalen, auch in dem frei stehenden Regal auf der rechten Garagenseite, wo die Sachen zur Autopflege liegen. Das kam mir schon sehr unwahrscheinlich vor. Ich würde doch einen Engel nicht zwischen Autoputzzeug stellen ... nein! Ich ging sogar einmal hinten um das Auto herum, ging dann auf dessen linker Seite ganz nah vor dem Einbauregal her und schaute noch einmal alle Fächer durch. Nichts, nein, dort war er wirklich nicht!

Dann fiel mir ein, dass ich Gartendeko im Winter auch schon mal in ein Regal in den Heizungskeller gestellt hatte. Ja ... ein Regal ... wieder erschien der Engel vor meinem geistigen Auge. Ich lief sofort nach unten und suchte alle dort stehenden Regale durch. Nun fing die Gereiztheitsphase an. In dieser Phase beginnt man, an den unmöglichsten Stellen zu suchen. Auch an solchen, von denen man ganz genau weiß, dass man das Vermisste dort nie im Leben hingetan hat. So schaute ich in alle Kellerschränke, schob dies und jenes beiseite, ging sogar nach oben in mein Zimmer, wo ich in der Abseite suchte. Natürlich fand ich ihn auch hier nicht.

Bevor ich mich noch weiter in das Verlustgefühl hineinsteigern würde, beschloss ich, meinen Mann zu fragen: "Hör mal, hast du den Gartenengel irgendwo gesehen? Den habe ich doch letzten Herbst wieder nach drinnen geholt." Er war gerade am PC mit etwas Wichtigem beschäftigt und antwortete etwas beiläufig: "Hm ... ja, ich kann ja mal die Augen offen halten."

Hatte ich das nicht auch getan? Ja! Und wie!


Ich wollte die Suche schon fast aufgeben, beschloss aber, noch einmal, ja, wirklich nur noch einmal in der Garage dort nachzusehen wo ich meinte, den Engel hingestellt zu haben. Nein ... nichts! Dort standen die gelben Keramikstiefel und ich dachte: Ach ja, die habe ich ja auch noch nicht bepflanzt. Das könnte ich in den nächsten Tagen auch mal machen. Im Fach darüber lag der rot lackierte hydraulische Wagenheber. Im Fach daneben stand die rote Weihnachtstasse, die ich im Winter immer als Umtopf für einen Weihnachtsstern verwende. Weiter links oben ein paar andere Umtöpfe, darunter auch einer, der terracottafarben ist und damit zumindest farblich dem Engel etwas ähnlich sieht. Aber der Engel war nicht zu sehen. Tja ... Schluss mit der nervigen Guckerei, dachte ich und wandte mich anderen Dingen zu. Wird sich schon irgendwann wieder einfinden ... jedenfalls blieb die Laube leer und Engelchen glänzte mit irdischer Abwesenheit (ist das nicht sowieso Engelart?).

Am Feiertag saßen wir dann auf der Terrasse und mein Blick fiel wieder auf die leere Laube. Ich erinnerte meinen Mann nochmal an den fehlenden Engel, woraufhin er mit den Worten aufstand: "Ich gucke jetzt auch mal nach."

Keine fünf Minuten später guckte durch den Spalt der Terrassentür ein lang gestreckter Arm, in dessen Hand ein Engel gehalten wurde. Da war er ja!!! Ich war baff. "Und? Wo war er nun?", fragte ich. "In der Garage, im Regal," sagte er. "Nee," sagte ich, "das glaube ich jetzt nicht. Wo denn da?" Ich bat ihn mitzukommen und mir den Platz zu zeigen. Als wir dort ankamen, zeigte er auf eine leere Stelle. "Da," sagte er, "da hat er gestanden." "Stell ihn doch nochmal hin," bat ich ihn, weil ich mich davon überzeugen wollte, dass es möglich sei, ihn zu übersehen. Nein, das konnte nicht möglich sein! Er hatte den Engel in das kleine Fach auf den Platz links vom roten Wagenheber gestellt. Ich fühlte mich regelrecht veräppelt. Schließlich hatte ich genau an der Stelle drei Mal nachgesehen! "Vielleicht hast du ihn übersehen, weil seine Farbe so ähnlich wie das Holz aussieht?", meinte er. "Unmöglich," erwiderte ich. "Schließlich habe ich auch den Umtopf wahrgenommen, der so eine ähnliche Färbung hat."

Sollte meine Wahrnehmung mich so massiv getäuscht haben? Ich dachte nach. Ich hielt es für so ausgeschlossen, dass er dort gestanden hatte, dass ich als Nächstes meinte: "Komm, gib es zu, du wolltest mich ein bisschen ärgern und sagst jetzt nur, dass er dort stand. In Wirklichkeit hast du ihn woanders gefunden ..." Ich sah es schon an seinen Augen, wie entsetzt er war, dass ich das für möglich halten würde. Nein, dachte ich, das passt auch gar nicht zu ihm. Solche Veräppelaktionen kenne ich gar nicht von meinem Mann.

Ich musste es schlucken, dass meine Sinne mich so sehr getäuscht hatten. Wo war nur meine Wahrnehmung hingewandert in den Momenten, als ich dort nachgesehen hatte? Wie soll ich solch eine Wahrnehmungslücke nur begreifen?

Es geht nicht. Jeder hat ja schon mal erlebt, dass er vor lauter Ärger oder Stress über etwas Vermisstes das Gesuchte übersieht. Aber der Engel war nun für mein Leben nicht so wichtig, dass er mir ernsthaft hätte Stress verursachen können. Man kann doch Gesuchtes aber nicht übersehen, wenn man es sogar vor seinem geistigen Auge an einem bestimmten Platz sieht. Kann sich etwas vor den eigenen Augen in Luft auflösen?

Für mich persönlich hatte die ganze Geschichte irgendwie etwas Magisches. Als ob der Engel vor meinen Augen weggeschwebt, unsichtbar geworden ist.
Führe ich meine Gedanken auf dieser Ebene (der Fantasie) fort, dann würde ich annehmen, dass er sich geärgert hat, dass er so lange dort in der Garage stehen musste, statt seiner eigentlichen Aufgabe, dem Beschützen von ARVØY, nachkommen zu dürfen.

Wie hatte vor langer Zeit mal die kleine Tochter einer Freundin zu ihrer Mama gesagt: "Wenn ihr mit dem Wichtel, den ihr zur Hochzeit geschenkt bekommen habt, nicht sprecht oder spielt, dann verschwindet er irgendwann."

So ihr nicht werdet wie die Kinder ...


Der Engel erhält von mir nun auch einen Namen, damit ich ihn in Zukunft ansprechen kann. Er heißt ab sofort "Heidi" (von engl. to hide = sich verstecken). Hoffentlich hilft's ;-)

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