Dienstag, 17. März 2020

Waldbaden

Waldbaden ist in.

Es gibt inzwischen zahlreiche Bücher darüber, Events, Internetseiten.

Im Grunde gibt es das Waldbaden schon seit ewigen Zeiten. Aber vielleicht muss es heute mehr denn je ins Bewusstsein rücken, da wir uns doch viel zu selten in diesem heilenden Umfeld aufhalten. 

Heute nehme ich Dich mit zu einem solchen Waldbad. Es war mein ganz eigenes, was nicht heißt, dass es nicht teilbar wäre. Teilbar im Sinne von:

Los, nun Du. Geh auch Du in den Wald und erlebe ihn auf Deine ganz spezifische Weise. Erinnere Dich an meine hier beschriebenen Erlebnisse und fühle sie nach. Auf Deine Art. Und komm gerne wieder und erzähl mir von Deinen skurrilen Entdeckungen.

Meine Mailadresse steht in meinem Profil.


Ich gehe los, lasse den Verstand sich immer mehr zurückziehen. An seiner Stelle öffne ich mein Herz, den Ort, an dem sich meine Gefühle entwickeln. Der Verstand darf weiterhin denken, aber in Fühlkategorien:



Zuerst gehe ich dazu in den Stillemodus … das Universum darf sich in meiner Stille ausbreiten. Leise summe ich ein …

 
Dann gehe ich weiter, öffne meine Sinne ganz dem Raum, in dem ich mich bewege. Kein Urteil trübt  mein Sehen. Ich überlasse mich ganz meiner schöpferischen Kreativität … und … da! Ein Tier!

Es schleicht im Licht der untergehenden Sonne müde auf dem Waldboden entlang. Wäre ich an einem Flussufer entlanggegangen und hätte es im Wasser schwimmen sehen, hätte ich vermutlich das Weite gesucht. Aber so … harmlos!


Es entfernt sich. Vielleicht gut so – wer weiß? Können Waldkrokodile Coronaträger sein? Darüber kann man in den Medien nichts erfahren. Oder doch? 

Coronavirus könnte von Schlangen stammen, lese ich. 

Echsen sind doch davon gar nicht so weit entfernt. Sind nicht beide Schuppentiere? Lieber nicht drüber nachdenken, weitergehen.

Ich spreche wieder ein OMMMM … lächelnd … nichts mehr denkend. In offener Erwartungshaltung. Was mag ich als Nächstes entdecken? 

Erschrocken zucke ich zusammen, denn mein Blick ist beim Nachflöten einer Singdrosselmelodie, die ich von schräg links über mir aus einem Baum höre, in den Himmel gezogen. Huuuuuuh! Dass es hier in Lippe so gefährliche steinharte Flugdrachen gibt, war mir bisher nicht bekannt. Aber man lernt ja immer noch dazu …


Elegant schweben sie am Himmel entlang. Wie kann das gehen?

Nun ja, das Leben in den Zeiten des Corona stellt halt alles auf den Kopf. 

Da können Steine schweben
und als Drachen leben.



Da bin ich doch froh, dass ich noch auf dem Kopf stehen und die ungefährlichere Variante erfinden kann!

Ein Baum stellt sich mir in den Weg. Er muss mal … schnell laufe ich davon. Die Welt auf dem Kopf. Wo sonst Hunde Bäume anpinkeln … (da schweigt jetzt des Dichters Höflichkeit und verpieselt sich). Schräg, oder?


Der Waldspaziergang macht mir immer mehr Spaß. Ich kann gar nicht genug bekommen. Was werde ich noch erleben? Meine Glücksgefühle sind kaum noch steigerungsfähig. So viel Neues! So Unglaubliches! Ich fühle mich wie Alice im Wunderland. 

Ein leichter Drehschwindel bemächtigt sich meines Gleichgewichtorgans. Ich lasse es geschehen. Merkwürdige Gestalten hängen vom Himmel herunter und laden zum Schaukeln ein. Eine Doppelschaukel? Für verliebte Paare? Sie machen einen trügerischen Eindruck, lieber gehe ich weiter.


Mein Schatz sinniert derweil über die Kraft, die Bäumen innewohnt. Müsste er so schräg ausharren wie sie, diese holzigen Gesellen, dann … oje!



Wie lange noch …? Erlöse mich von diesen Muskelqualen!


Wir gehen weiter, halten immer etwas Abstand. Fühlen uns gesund, aber niemand weiß nichts Genaues. Ob Bäume auch besser Abstand halten sollten? Nun ja, vielleicht sind sie immun gegen das Virus, schließlich haben sie schon CORONEN. Also, dann habt euch einfach lieb – beneidenswert, oder? 


Bevor wir den Wald verlassen, erscheint auf der rechten Seite wieder ein großes Tier. Unheimlich ist sein Blick. Lauert es auf fressbare Opfer? 

Plötzlich erkenne ich, dass das Gatter um das gefährliche Ungetüm defekt ist. Es steht an mehreren Seiten offen. Wo ist denn der Waldzoowärter hin? Das Leben in den Zeiten des Corona hat’s wirklich in sich! Vermutlich lebt er – wie viele andere zur Zeit – in Quarantäne. Hilfeeeeee!


Ich renne und renne … 

Ruuuuuuuhiiiiiiiiig! ruft da eine ferne Stimme. 

Ich horche. Sie kommt aus meinem Herzen. Sie wird lauter. 

Du bist niemals in Gefahr, wenn du auf mich hörst, sagt die Stimme.

Ich verlangsame meine Schritte. Die Stimme sagt: Typisch Mensch! Schon wieder hast du den wichtigen Ton vergessen …

Erschöpft lasse ich mich auf eine Bank am Wegesrand fallen. Ich atme tief durch … langsam beruhige ich mich, als ich plötzlich im Boden unter meinen Füßen ein feines Zittern, dann ein zunehmend bedrohliches Rumpeln spüre. Was ist das?

Ängstlich schaue ich nach links, dann nach rechts … o Gott!


In Todesangst springe ich auf. Holz! Holz! Holz!!!

Ich renne weg und schaue mir aus sicherer Entfernung an, wie die Bank unter den holzigen Riesen begraben wird. Ich aber stehe heil davor und spreche ein Stoßgebet zum Himmel, der mir die Gabe des Fühlens und des Hörens geschenkt hat und mich damit vor der drohenden Gefahr bewahrt hat.



Am Parkplatz angekommen, wo unser Auto steht, spreche ich noch einmal ein universelles 


setze mich ins Auto, fahre zurück nach Hause in die coronafreie Zone, wo ich euch mit Balken biegenden Lügen animiere, nun selbst loszuziehen und weitere Balken zu biegen.

Ich hoffe, mein erster Waldspaziergang hat Euch Spaß gemacht.
Bis bald!

Beim nächsten Mal wird ehrlich gehört. Ehrlich!

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